Exkursionen - Archiv

13. - 17. Mai 2011

Wir mit Gästen auf Exkursion in Dolny Slask – Niederschlesien

Wieder einmal ging es auf mit der Firma Lassak, deren Fahrer mit uns Mineralsüchtigen nun schon so manches erlebt haben, auf Fahrt. Dass es da Nervenstärke und Humor braucht, ist klar...
Anfahrt ca. 180 km über Jelenia Gora nach Bolków (Bolkenhain), wenig Zeit bleibt für einen kurzen Bummel und schon geht es nach Strzegom (Striegau) mit seinen zahlreichen Granitbrüchen. In den Steinbrüchen Andrzej I und II (Pilgramshain I / II) wird uns die Größe dieser Brüche ebenso bewusst wie die Härte des Materials...

Mit viel Suchen, der typischen Hartnäckigkeit und dem unverzichtbaren Quäntchen Glück gab es dann doch eine Reihe von Funden: Feldspat, Nadelquarze, Epidot, Albit und natürlich einige Rauchquarze. Interessant war es auch, zuzusehen, wie die riesigen Granitbänke, hier Schicht für Schicht gelöst und zur Verarbeitung herausgeholt werden. Knochenjobs auch heute noch!
Auf der Rückfahrt nach Bolkow dann Zwischenstopp bei einem Steinhändler, der eine recht gute Striegau - Sammlung hatte und bei dem man dann auch noch „fündig“ werden konnte. Am nächsten Morgen fahren wir nach einem reichlichen Frühstück wieder voller Tatendrang den nächsten Funden entgegen.

Erste Station ist Jeglowa (Riegersdorf). Einige versuchen ihr Glück direkt in der Grube, die meisten aber durchwühlen, wie sicher schon Heerscharen vor uns, den so genannten „Kristall – Hügel“, entstanden in der Zeit, als die Trennung von Kaolin und Quarz noch nicht bekannt war und das „Gemisch“ für eine spätere Trennung deponiert wurde. Hier wird eigentlich jeder fündig, wenn er nur beharrlich genug den Boden durchgräbt und dabei gute Augen hat. Auf der Weiterfahrt besuchen wir einen kleinen Betrieb, der aus den verschiedensten Rohmaterialien Trommelsteine herstellt und bei dem wir eine ungeahnte Vielfalt an Anschliffen sahen, Feuersteine aus Polen.
Ehe die nächste Fundstelle aufgesucht wurde, gab es einen Zwischenstopp und wir besuchten das Arboretum Wojslawice (Woislowitz), ca. 50 km südlich von Wroclaw gelegen. Dieses ca. 11 ha große Gelände, erstmals nach 1820 erwähnt, ist eine Forschungsstelle der Universität Wroclaw. Allein schon dieses Gelände ist eine Reise wert.

Und endlich stehen wir an den Halden der wohl besten europäischen Chrysopras – Fundstelle in Szklary (Gläsendorf). Der Ort wurde erstmals 1740 als Fundstelle von Chrysopras, Opal und Chalcedon erwähnt. Ende des 19. Jh. wurden hier größere Nickelvorkommen entdeckt und abgebaut. Viele werden heute hier fündig, die „Ausbeute“ reicht von teilweise großen Chalcedonstufen und Honigopal über verschiedene Grüntöne des Chrysoprases Müde, aber doch recht zufrieden mit dem Tag, seinen Erlebnissen und natürlich Funden geht es zurück zum Hotel. Bei gutem Essen, Bier und Wein klingt auch dieser zweite Tag aus... Nächtlicher Regen weckt uns auf. Wir wollen am nächsten Morgen nach Wroclaw (Breslau) fahren, um einige Schätze dieser Stadt kennenzulernen. Noch bei Regen geht es mutig los und richtig, es wird immer besser. Einem schönen Tag steht nichts im Wege!

Wir beginnen unsere Tour mit einem Besuch der mineralogischen Sammlung an der Universität, wo Dipl.- Geologe Jacek Bogdanski, der unsere Exkursion fachlich vorbereitet und betreut hat, arbeitet. Dann steht natürlich das historische Universitätsgebäude mit der weltberühmten Aula Leopoldina auf dem Programm. Unverzichtbar auf dem Stadt bummel sind die Dominsel, die als Wiege des ältesten Stadtteils gilt, und der Rynek mit seinen markanten Gebäuden, wie dem Rathaus. Hier in einem der Cafés zu sitzen und am Sonntagnachmittag dem Treiben des Wroclawer zuzusehen, all das gehört einfach dazu, wenn unser Verein auf Reisen geht.

Am Montagmorgen geht es wieder hinaus, um weitere Fundstellen aufzusuchen. Das Wetter ist uns wohlgesonnen, zwar trieft morgens noch alles vor Nässe, aber die Sonne lässt uns auf einen schönen Tag hoffen. Erstes Ziel ist Nowy Kosciól (Neukirch), wo wir durch den triefend nassen Wald und einen glitschigen Hang hinauf zur Fundstelle der Septarien gelangen. Hier ist wieder „Grabearbeit“ angesagt, Gar nicht so einfach, die begehrten Knollen dem zähen Boden zu entreißen... Aber als am Abend dann die Knollen aufgeschnitten vor uns liegen, sind der zähe Matsch und der unwegsame Hang vom Morgen schon vergessen. Weiter geht die Fahrt nach Godzno, um nach Achaten zu suchen. Das Gelände gleicht einer Mondlandschaft, viele haben hier schon ihr Glück versucht. Manchmal legt ein Bagger wieder neue Schichten frei. Mit guten Augen konnte man doch fündig werden, wie Achate, Quarzkristalle und auch Perimorphosen Achat nach Calcit oder Chabasit.

Zur „Belohnung“ gab es dann Kaffee und Kuchen – davon aber reichlich... Dann nochmals nach Nowy Kosciól, diesmal zur Achatfundstelle, wo es mal wieder in die Tiefe geht und auch so manche Knolle mitgenommen werden kann. Spannend dann das Aufschneiden der Funde gleich im Ort, bevor wir müde, aber doch zufrieden nach Bolków zurückfahren. Nun geht die Exkursion ihrem Ende entgegen, müssen die Sachen gepackt und die Funde sicher verstaut werden. Aber vor der Heimfahrt geht es nochmals in Richtung Striegau. Zunächst versuchen wir im Steinbruch Paszowice unser Glück, finden hier z. B. auch einige kleine aber feine Rauchquarzstufen. Letztes Ziel ist einer der Steinbrüche von Borow (Bohrauseifersdorf). Hier war mit etwas Mühe auch noch einiges zu finden, beispielsweise einige Pyritstufen..

Nun ging es endgültig heimwärts, schöne und erlebnisreiche Tage in Niederschlesien waren damit zu Ende. Und dafür gilt es allen zu danken, die diese Exkursion vorbereitet und betreut haben, besonders natürlich unserem fachkundigen und immer hilfsbereiten Jacek Bogdanski, dem stets geduldigen Busfahrer und natürlich nicht zuletzt unserem „Chef“ Wilfrid, der den wilden Haufen zusammenhalten musste.

Bericht und Fotos von
Peter Hesse

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