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30.04.2014

Der geologische Lehrpfad am Silbersee in Lohsa

Dieser Lehrpfad entstand bereits in den Jahren 1982/83 und wurde immer weiter ergänzt. Die damalige Fachgruppe Mineralogie/Geologie beim Kulturbund der DDR, heute die VFMG-Bezirksgruppe Ostsachsen, bemühte sich schon seit einigen Jahren, Findlinge als Zeugen der Eiszeit für spätere Generationen zu bewahren. Der Lehrpfad hat eine Länge von ca. 800 m und befindet sich im Süden des schönen „Silbersee“ in der Gemeinde Lohsa OT Friedersdorf.

Früher wurden diese großen Steine aus dem Abraum der Lausitzer Braunkohletagebauen als leidiges Hindernis gesprengt und verkippt oder davor liegende Generationen verwendeten an der Oberfläche liegenden Findlinge für ihre Kirchen, Friedhofsmauern oder Bauernhäuser, aber auch für den Straßenbau. Kein Wunder, diese Steine wurden rar. Die glazialen Geschiebe, die durch pleistozäne Vereisungen aus den Ländern Nordeuropas in unsere Lausitz kamen, besitzen aber einen hohen naturhistorischen Wert. Sie stellen Zeugen erdgeschichtlicher Vorgänge gewaltigen Ausmaßes dar, wie schon Schulz (1964) sehr treffend feststellte: „Unter den geologischen Naturdenkmälern des norddeutschen Tieflandes nehmen Findlinge eine besondere Stellung ein, geben sie doch Kunde von der gewaltigen Energie, mit der sich das pleistozäne Inlandeis vom Skandinavischem Schild über große Teile Nord- und Mitteleuropas ausbreitete“. Betrug doch die Stärke des Eises über unserem Gebiet 1000m und mehr.

Insgesamt wurden etwa 110 Findlinge geborgen, transportiert und am Silbersee zum Aufbau dieser Anlage verwendet. Davon wurden aber nur 87 Steine in die unmittelbare Gestaltung des Lehrpfades mit einbezogen. Die größte Anzahl wurde im Tagebau Lohsa, Baufeld V des BKW „Glückauf“ Knappenrode, geborgen. Es sind Findlinge der Elster-Kaltzeit, die in der Pleistozänbasis abgelagert und mit 25 bis 30 m Sanden und Kiesen überdeckt waren.


Die Findlinge des Lehrpfades wurden zum größten Teil an einer Stelle angeschliffen und poliert, um Struktur und Farbe des Gesteins sichtbar zu machen und das ästhetische Empfinden für das Material anzusprechen. Einige Exemplare sind hervorragende Windschliffe, an anderen kann man sehr gute Gletscherschrammen und Fossilien erkennen.

Hervorzuheben sind einige Exemplare:
  • größter Findling mit ca. 40 t
  • größter Windschliff mit ca. 5 t
  • ein Feuerstein von 70 cm Durchmesser mit verschiedenen Fossilien
  • mehrere Rapakiwi als Leitgeschiebe
  • Paläoporellenkalke
  • Ein Tertiärquarzit mit Belastungsmarken und Lebensspuren
  • Brevik-Geröll-Diabase
  • Hälleflinta (mitGranaten)
  • Augengneis
  • Biotit-Flaser-Gneis-Granit
  • Einige besonders große Exemplare von braunem Ostseeporphyr.
Als Verein haben wir immer bei der Entwicklung dieses bedeutsamen Vorhabens Verbündete gefunden, die wir an dieser Stelle unbedingt benennen wollen:
  • Gemeinde Lohsa (Litschen) gab die Standortgenehmigung
  • Bergleute des Tagebaues Lohsa besorgten unter schwierigen Bedingungen die Bergung, den Transport und die Verlegung
  • Die Anschliffe erfolgten durch Mitarbeiter des VEB Lausitzer Granit in Demitz-Thumitz
  • Die Sonnenuhr gestaltete der Steinmetz Herr Dieter Oehme aus Seidewinkel
  • Die Bestimmung der Findlinge erfolgte durch Geologen der Lausitz und des VEB Geologische Forschung und Erkundung Freiberg. Eine weitere helfende und kritische Nachbestimmung erfolgte durch Herrn Prof. Dr. Lothar Eissmann aus Leipzig
  • Die Edelstahlschilder fertigte der VEB Presswerkzeugbau Großdubrau
  • Die Bronzetafeln wurden im Betriebsteil Kunstguss des VEB Schwermaschinenbau Lauchhammer gefertigt
  • Und schließlich wurde der Geologische Lehrpfad durch den Rat des Kreises Hoyerswerda mit Beschluss 172-25/84 vom 15.11.1984 als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt.
Seit eh und je pflegt nun unsere Bezirksgruppe Ostsachsen mit Leidenschaft diese erhaltenswerte Anlage mit jährlichem Arbeitseinsatz und anschließendem Grillabend. Und wer sich diesen Lehrpfad gern ansehen möchte, dem empfehlen wir auch, die Energiefabrik/Bergbaumuseum Knappenrode und den einmaligen Findlingspark Nochten zu besuchen.

Wilfrid Sauer



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